Verwahrung Grube Merkers


Am 13. März 1989 kam es unter der Thüringer Rhöngemeinde Völkershausen in 800 Meter Tiefe zum stärksten jemals gemessenen Gebirgsschlag. Viele Menschen in der Region können sich auch heute noch an das bedrohliche Gefühl erinnern, als vor 35 Jahren die Erde bebte. Der damalige Gebirgsschlag war auch noch in mehr als 300 Kilometer Entfernung zu spüren. Ort des Geschehens: die Grube des Kaliwerkes „Ernst Thälmann“ (Merkers), eine Betriebsstätte des damaligen VEB Kalibetriebes „Werra“. Der Bruch von ca. 3.200 unterdimensionierten Stützpfeilern auf der 2. Sohle hatte zu einem „Erdbeben“ der Stärke von 5,6 auf der Richterskala geführt. In der Folge brach das Grubengebäude auf einer Fläche von 6,8 Quadratkilometer schlagartig zusammen – dies entspricht mehr als 1.000 Fußballfeldern! Ursache waren zu schmal dimensionierte Stützpfeiler und Fehler beim Sprengen – im DDR-Jargon der Zeit hieß das „Strategie der dynamischen Gebirgsbeherrschung“.

Die freigesetzte Energie des Gebirgsschlages wurde später mit 200.000 Tonnen TNT-Sprengkraft berechnet (zum Vergleich: die 1945 über Hiroshima abgeworfene Atombombe hatte eine Sprengkraft von 13.000 Tonnen TNT).  Es ging alles ganz schnell: Innerhalb von nur zwölf Sekunden wurden mehr als 80 Prozent der Gebäude des Ortes zerstört. Das Wunder: es kam zu keinem Todesfall; „nur“ sechs Menschen wurden verletzt.

Durch ihre Instabilität mussten viele Gebäude des Ortes abgerissen werden. Dazu gehörten auch historische Gebäude wie das Schloss und die mehrere hundert Jahre alte Kirche, die wieder aufgebaut worden ist.

Vier Jahre später, im Jahr 1993, wurde das Kaliwerk Merkers stillgelegt. Wenn auch die Förderung des Rohsalzes und die Weiterverarbeitung in den Fabrikanlagen eingestellt wurde, so wurden doch nicht alle Mitarbeiter nach Hause geschickt. An Bord blieben zahlreiche Bergleute, die mit Sicherungsarbeiten unter Tage betraut waren, um einsturzgefährdete Bereiche zu verwahren.  In den ersten Jahren haben sie jährlich etwa 2 Millionen Tonnen Salz abgebaut, um Hohlräume zu verfüllen. Bis heute wurden über 33 Millionen Tonnen Versatz in die zu sichernden Hohlräume eingebracht. Zum Einsatz kommen dabei über 180 Arbeitsmaschinen, Befahrungs- und Mannschaftsfahrzeuge, Stapler, Hubbühnen und Transportfahrzeuge. Diese Arbeiten erfolgen im Auftrag des Freistaates Thüringen und werden durch ihn auch finanziert.

Nachdem der größte Teil der Verwahrungsarbeiten seit mittlerweile vier Jahren abgeschlossen ist, stehen jetzt noch restliche Versatzarbeiten in der Größenordnung von rund einer Million Tonnen in den Jahren 2025 und 2026 an. Für ein weiteres Feld wurde eine letzte Versatzmenge bis maximal 100.000 Tonnen beantragt.

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KategoriegeoOrt
Kaliwerk Merkers
Entfernung: 0.01 km von Verwahrung Grube Merkers
Erlebnis Bergwerk Merkers (Schacht III)
Entfernung: 0.06 km von Verwahrung Grube Merkers
Fabrikanlage Dorndorf
Entfernung: 2.48 km von Verwahrung Grube Merkers
Kaliwerk Großherzog von Sachsen (Dietlas)
Entfernung: 2.5 km von Verwahrung Grube Merkers
Kaliwerk Kaiseroda I
Entfernung: 2.71 km von Verwahrung Grube Merkers

Werra-Kalibergbau-Museum


Das Werra-Kalibergbau-Museum in Heringen (Werra) dokumentiert die Geschichte und Gegenwart des seit 100 Jahren wichtigsten deutschen Kaliabbaugebiets auf beiden Seiten der hessisch-thüringischen Landesgrenze an der mittleren Werra. Der Ende des 19. Jahrhunderts beginnende Kalibergbau prägt die Region maßgeblich bis auf den heutigen Tag und ist nach wie vor der mit weitem Abstand größte Arbeitgeber.